Herborn – „Jedes Feuer brennt anders“, betonte Daniel Hinricher beim ersten Feuerwehr-Symposium Mittelhessen. Der TÜV-Experte und ehrenamtliche Feuerwehrmann aus Greifenstein war einer der Fachreferenten bei der Fortbildungsveranstaltung, zu der sich rund 80 Führungskräfte aus der gesamten Region angemeldet hatten. Ausgerichtet wurde das Symposium erstmals vom Feuerwehrverband Dillkreis (FVD) an der Comeniusschule in Herborn.
Zum Auftakt des Tagungsprogramms machte Kreisbrandinspektor Harald Stürtz deutlich, wie wichtig Zusammenarbeit in herausfordernden Zeiten ist: „Krisen gehen gefühlt nahtlos ineinander über.“ Umso bedeutender sei eine enge Abstimmung innerhalb der kommunalen Familie sowie zwischen den Organisationen der „Blaulicht-Familie“. Während ein Symposium in der Antike noch als geselliges Treffen galt, stehe heute vor allem fundierte fachliche Weiterbildung im Ehrenamt im Mittelpunkt.
Unter dem Motto „Wer besser werden will, muss dabei sein“ hatte der FVD zu praxisnahen Vorträgen eingeladen. Ehrenvorsitzender Michael Lotz führte als Moderator durch das Programm und begrüßte eine Reihe hochkarätiger Referenten.
Jonas Schwering, Vorsitzender des Fachausschusses Vorbeugender Brandschutz im Landesfeuerwehrverband, verdeutlichte die Rolle seines Bereichs: „Wir sind keine Paragrafenreiter.“ Anhand konkreter Einsatzanalysen zeigte er, wie bauliche Maßnahmen wie Brandwände oder spezielle Türen Brände eindämmen und Einsätze sicherer machen können.
Mit einem besonders eindrücklichen Beitrag befasste sich Dennis Kuhn von der Unfallkasse NRW. Er analysierte den tragischen Einsatz von Sankt Augustin im Juni 2023, bei dem zwei Feuerwehrleute ums Leben kamen. Die Kombination aus Pyrolysegasen und einem platzenden Schlauch führte zur Katastrophe – ein Szenario, das grundsätzlich überall auftreten kann.
Daniel Hinricher unterstrich in seinem Vortrag die Bedeutung der Realbrandausbildung: „Sie macht Grenzen erlebbar, bevor sie tödlich werden.“ Feuerwehrkräfte könnten so erfahren, wie schnell Kräfte schwinden, wie trügerisch Situationen eingeschätzt werden und wie dynamisch sich Einsatzlagen verändern.
Das Thema „Führung im Katastrophenschutz“ stellte Jan Seeberger von der Hessischen Landesfeuerwehrschule in den Mittelpunkt. Neben Planung und Struktur sei vor allem die Kommunikation entscheidend: „Organisation muss man auch leben können.“
Über aktuelle Anforderungen und Herausforderungen im Katastrophen- und Zivilschutz sprach Sami Mahsur vom Hessischen Ministerium des Innern, für Sicherheit und Heimatschutz. Ergänzend berichtete Norbert Heinkel, stellvertretender Kreisbrandinspektor im Odenwaldkreis, aus der praktischen Arbeit der Unteren Katastrophenschutzbehörde.
Eine begleitende Ausstellung von Fahrzeugen und Ausrüstung sowie der intensive Austausch unter den Teilnehmern rundeten das erste Feuerwehr-Symposium Mittelhessen ab.